Anja Conrad berichtet aus Moncton (Kanada)

Zuerst waren nur drei Monate Kanada geplant, was sich aber bald ändern sollte.

Am 03. September begann die schönste Zeit meines Lebens. Allerdings war ich mir dessen am Flughafen in Frankfurt noch nicht bewusst. Erstmal fiel es mir schwer, mich von meiner Familie hier in Deutschland zu verabschieden. Doch als ich dann in Moncton, New Brunswick in Kanada ankam und nett aussehende Menschen mit bunten Plakaten auf mich zukamen, mir mein Gepäck abnahmen und mich begrüßten, war die Welt wieder in Ordnung.

Meine Gastfamilie waren die nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Wie ich es auch schon von zu Hause gewohnt war, hatte ich einen jüngeren „Gastbruder“, mit dem man super viel unternehmen konnte und mit dem ich sehr viel Spaß hatte, eine „Gastmutter“ und einen „Gastvater“. Die anderen drei schon erwachsenen Kinder der Familie waren nur zeitweise zu Hause.
Gleich an meinem ersten Wochenende campten wir an einem See in den traumhaft schönen Wäldern Kanadas. Wir grillten Marshmellows über offenem Feuer, gingen in den See baden und hingen die kanadische Flagge an einen Baum auf der Spitze eines Berges. So war es ganz einfach, mich mit meiner Gastfamilie anzufreunden. Nach zwei Tagen mussten wir wieder zurück nach Hause, denn immerhin fing die Schule in Kanada wieder an. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Aber als ich dann das Schulgebäude betrat, kamen gleich drei nette kanadische Mädchen auf mich zu und fragten mich nach meinem Namen. Sie nahmen mich mit zu einem Raum, in dem erst einmal alle „international students“ eine Einführung erhielten und einem kanadischen „buddy“ zugeteilt wurden. Dann gab es eine Schulführung. Anschließend aßen wir alle gemeinsam zu Mittag.
Ich fand mich schnell zurecht in der Schule und konnte dem Unterricht gut folgen. Die von mir belegten fünf Pflichtfächer wurden jeden Tag unterrichtet. Auch an verschiedenen Nachmittagsangeboten der Schule nahm ich von Anfang an teil. So besuchte ich einmal pro Woche die Orchesterprobe und war im „cross-country team“, mit dem ich auch an verschiedenen Laufwettbewerben teilnahm. Am Anfang saß ich noch während der Mittagspausen mit den anderen international students zusammen, doch nach ein paar Wochen fand ich zusätzlich gute kanadische Freunde. Alle zusammen unternahmen wir viel. Wir gingen zusammen zu Mannschaftspielen unserer Schule, ins Kino, zum Pizza essen, besuchten uns gegenseitig, feierten Geburtstage und Halloween miteinander und hatten immer viel zu lachen. Auch heute noch, mehrere Wochen nach meiner Rückkehr, reden wir jedes Wochenende via Skype miteinander.
Auch mit meiner Gastfamilie hatte ich weiterhin eine super Zeit. Deshalb überredete ich Mitte Oktober meine Eltern dazu,  mich noch ein wenig länger in Kanada bleiben zu lassen. Ich konnte den Rest des Schulhalbjahres heraus handeln.
An Thanksgiving fuhren meine Gastfamilie und ich für 2 Tage nach Prince Edward Island. Ende November besuchten wir für 5 Tage meinen „älteren Gastbruder“, der in Boston studiert. An meinem Geburtstag gab es  eine Überraschungsparty für mich.
Bald darauf fingen die Weihnachtsferien an. Weihnachten ist ein Erlebnis in einer anderen Kultur. Allein der Ablauf ist völlig anders, und es ist schön das miterleben zu können. In unserem Haus wurde es richtig betriebsam, denn die beiden ältern Söhne mit einem amerikanischen Freund verbrachten ihre Weihnachtsferien in Moncton. Zusammen fuhren wir Ski und Schlitten, bauten ein Iglo und waren mit „Snowshoes“ im hohen Schnee unterwegs.

Ein besonderes Erlebnis waren übrigens die Massen von Schnee, die fielen. Als ich Kanada verließ lagen etwa 2-2,5 Meter Schnee an den Straßenrändern. Nach nächtlichen Schneestürmen hatten wir auch ab und zu  einen Tag „schneefrei“.

Leider näherte sich das Ende meines Kanadaaufenthaltes viel zu schnell. Plötzlich musste ich anfangen, meine Koffer zu packen und mich von den ersten Leuten zu verabschieden. Meine Freunde veranstalteten eine Abschiedsparty für mich und meine Gastfamilie versuchte, mir meine letzte Woche so schön wie möglich zu machen.
Der Tag meiner Abreise kam und ich fuhr zum Flughafen mit meiner Gastfamilie. Auch meine Freunde kamen dorthin und brachten mir noch Abschiedsgeschenke. Dann musste ich endgültig „Tschüs“ sagen und wir hatten alle Tränen in den Augen. Gerne wäre ich auch noch länger geblieben!!! Ich hoffe, dass ich bald meine neu gewonnenen Freunde und meine Gastfamilie wiedersehen kann, sei es, dass sie mich hier in Deutschland besuchen oder ich mich wieder auf den Weg zu ihnen mache.

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